(Kommentar/Heike Hippe) Wie man Google-Maps entnehmen kann, liegt die S-Bahn-Station Rahnsdorf mitten in einem Waldgebiet. Viele Schöneicher fahren mit der S-Bahn in die Stadt zur Arbeit. Viele Schöneicher parken ihr Auto an der S-Bahn oder nutzen das Fahrrad. Da der Fußweg mit 2km schon mal 20 Minuten braucht, nur ein Fahrradweg am Alten Fischerweg existiert und abends Wildschweine dicht an der Fahrbahn sind, nutzt man gern den Bus. Dafür zahlt man den C-Bereich, in dem Schöneiche liegt, der einen nicht unerheblichen Aufschlag darstellt, unabhängig davon, dass man mit einer ABC Karte ein Riesengebiet befahren kann, was im realen Leben niemand regelmäßig nutzt. Schöneiche litt seit Jahren durch die Baustelle am Ostkreuz und an Bahnstrecke und Brücke bei Karlshorst, Friedrichshagen und Rahnsdorf durch einen Schienenersatzverkehr, der aus einer 40minütigen Fahrzeit in die City eine 90minütige Tortur machte und Menschen, die nicht im Besitz eines Autos sind, dazu verdammte, kostbare Zeit am Wochenende in schepprigen Ersatzbussen und auf verregneten Bahnsteigen oder im Stau zu vertrödeln. Aber: wenn Baustellen sind, kann man den Sinn des Wartens nachvollziehen und Verständnis dafür aufbringen. Die Reparatur der jahrelang nur auf Börsengang ausgerichteten S-Bahn ist wie alle Unternehmensbeförderungsfälle wissen und ersehnen, einfach bitter nötig.

Der aktuelle Fahrplan findet dagegen nicht mein Verständnis. Im Hausblatt der S-Bahn bejubelte man nach erfolgter Bauzeit, dass die S3 wieder Anbindung an den Westteil der Stadt hat, fast so wie in alten Zeiten, den Bananen entgegen…dabei befinden wir uns doch in einer ÖPNV-Bananenrepublik. Mit dem neuen Fahrplan seit 10.12. fährt jede zweite Bahn nur nach Ostbahnhof. Ist der dichte Zeittakt mit den alten Schienen, Weichen und fehlenden Zügen nicht zu bewältigen auf der Stadtbahn oder schlicht nicht notwendig? Mir war so, dass Berlin im letzten Jahrhundert mit mehr Fahrgästen dichtere Takte bewältigt hat, mag aber auch sein, dass ich falsche Zahlen las. Ein Umstieg am Ostbahnhof in eine wenige Minuten später nachfolgende Bahn ist aber, da vom gleichen Bahnsteig möglich, sogar für Behinderte, die in Rahnsdorf gar nicht mehr in die Bahn kommen, vom gleichen Bahnsteig sehr bequem und nicht das Problem.

Mein absolutes Unverständnis gilt der Anbindung von der S3 in Rahnsdorf an die Linie 161 Richtung Schöneiche. Eventuell wartet man bereits in der City auf die nur alle 20 Minuten verkehrende Bahn 10-15 Minuten. Und wo bis 10.12. der Bus nur wenige Minuten nach Ankunft der S-Bahn Richtung Schöneiche fuhr, wartet man jetzt 14 Minuten. Denn der Umlauf, der bisher einen schnellen Übergang verschaffte, endet seit 10.12. in Friedrichshagen. Die Tram nach Woltersdorf ist zeitnah getaktet, ebenso die Tram nach Schöneiche von Friedrichshagen aus, aber der Bus der BVG beschert den Fichtenauern die Wartezeit von 13 Minuten, und zwar morgens nach der Stoßzeit (Ankunft von Schöneiche in Rahnsdorf bspw. um 08:58, Weiterfahrt nach Berlin 09:11 Uhr) als auch abends heim in die, sagen wir, wie es ist, ÖPNV-Provinz im Speckgürtel. Und jetzt schlicht gefragt: warum? Wurde es übersehen? War da nur ein Algorithmus, kein Mensch mehr am Werk? Soll hier systematisch nachgeholfen werden, eine Buslinie, bei der die Nachfrage außerhalb der Stoßzeiten gering ist, wegen mangelnder Nachfrage einzustellen? Ich zahle einen Mehrbetrag für das ABC-Ticket der nicht unerheblich ist. Vielleicht verstehen Sie meinen Unmut, jetzt täglich +28 Minuten Fahrzeit einplanen zu müssen? Wenn man mit anderen Unternehmensbeförderungsfällen redet, so hört man: eine Beschwerde nutzt nichts, das haben wir alles schon durch. Weil BVG und S-Bahn sicher wissen, dass nicht jeder Mensch ein Auto hat und auf den ÖPNV angewiesen ist, so schlecht wie er auch geplant sei?

Wo liegt der Mehrwert  dieser Planung? In mehr garantierten Pausenzeiten für die Busfahrer, oder weil die Wilhelmshagener bisher das Nachsehen hatten und jetzt ist mal Schöneiche dran? Weil die Dauer-Verspätung der S3 dazu führte, dass die Anschlusszeit von 4 Minuten an den Bus zu knapp war, es deswegen zu viel verpasste Anschlüsse und damit Beschwerden gab? Und jetzt, wo die S3 rollt, wird mehr als großzügig Zeit eingeplant?

In einer Millionenstadt mit dichten Minuten-Takten – wie überall auf der Welt in Großstädten, das ist ja nun keine Leistung, auf die man nach 100 Jahren S-Bahnverkehr noch stolz sein kann, andere Städte bieten längst WLAN in ihren Zügen an – ist es nicht möglich, den Speckgürtel vernünftig in eine Planung mit einzubeziehen? Gibt es nicht eine Übergangszeit von 7 Minuten, müssen es gleich 14 Minuten sein? Wo hakt es denn im Umlauf? in der Finanzierung? der Nachfrage? Die S-Bahn-Station Rahnsdorf liegt im Wald. Wenn ich am Bahnhof Wilhelmshagen aussteige, bin ich im Ort, habe also keine Bedenken, auch spät abends zu Fuß zu gehen oder zu warten, ebenso in Friedrichshagen und in Erkner.

Den Ohrwurm von der kaputt sanierten S-Bahn zugunsten eines Börsenganges kann keiner mehr hören und er wird überschallt etwa vom Lobgesang einer teuren neuen Ostkreuz-Kurve für die Bahn zu einem Flughafen, dessen Neubau mit monatlich 13 Millionen Steuerzahlerkosten nicht in die Gänge kommt und wo der Unterhalt einer dadurch noch nicht genutzten Bahnstation auch Geld kostet. Natürlich kann ich als Laie nicht beurteilen, welche Projekte für die Zukunft sinnvoll angelegt oder selbstverliebt teuer sind. Und um zurück zum Umlauf der Linie 161 zu kommen: ich habe nur mal einen Artikel darüber lesen können, wie in einer Zentrale in Berlin Fahrgastströme gemessen und Linien entsprechend verlegt werden. Ich verstehe: es hat immer jemand ein Nachsehen. Änderungen haben eine langfristige Wirkung und sind oft nicht sofort als sinnvoll oder in den ökonomischen Gegebenheiten nachvollziehbar. Es ist aber ein Unterschied, ob ich in der City eine alternative Route wählen kann oder in der Provinz auf den ÖPNV angewiesen bin. Ich kenne mich tatsächlich ein bisschen in der Betriebssteuerung eines Busunternehmens aus und weiß, wie es aussehen kann, auf Fahrgastbeschwerden einzugehen und Dinge zu ändern, sofern möglich, und wenn es nicht möglich ist, gegenüber dem Fahrgast sinnvoll zu argumentieren, anstatt gar nicht zu reagieren oder den „Unternehmensbeförderungsfall“ mit Hohlphrasen und Eigenreklame ruhig zu stellen. In vielen kleinen Städten gibt es Modelle abseits von statischen Umläufen und mit kleinen umweltfreundlichen Bussen.

Der Klimawandel ist in vollem Gange, der ÖPNV sollte gefördert, nicht verschlimmert werden. Die Wohnungen in Berlin werden überteuert bleiben, Berlin wächst um 50000 Menschen jährlich, so dass damit zu rechnen ist, dass die Vororte, zumindest solange niemand merkt, wie abgeschnitten man nur 50m vom Berliner Stadtrand ohne Auto sein kann, wachsen werden, nicht nur mit Familien, die einen SUV besitzen, mit denen der Unternehmensbeförderungsfall privat an der S-Bahn abgeholt werden kann.  Möchten BVG und S-Bahn mit zu weiterer Staubildung in der Stadt beitragen?

Ich arbeite im Schichtdienst, mag mein ABC Abonnement nicht kürzen angesichts der Wildschweine am nächtlichen Straßenrand oder nicht vorhandener gestreuter Fahrradwege im Winter. Ich werde mich an die Kälte an der Bushaltestelle gewöhnen, höhnen Sie? Oder finden Sie doch einen Weg, den Umlauf sinnvoll zu ändern? Und das vielleicht sogar umgehend unbürokratisch und ungeplant?

Freundliche Grüße

Heike Hippe

 

 

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Redaktion Schöneiche Online