(Kommentar/FZ) Der Antrag der Linken, die ein von der Gemeinde finanziertes Ortsblatt gefordert hat, brachte die Diskussion um regionale Medien und die Erreichbarkeit der Bevölkerung in Schwung.

Der Vorwurf der Linken war, dass Schöneiche Konkret nicht an alle Haushalte verteilt werden würde. Schöneiche Konkret schrieb bereits oft vom Problem, dass immer mehr Briefkästen Aufkleber mit dem Vermerk „Bitte keine Werbung“ hätten und damit auch nicht das werbefinanzierte Magazin erhalten können. Dazu kommen Erkenntnisse aus der Marktforschung, die nahe legen, dass die meisten Briefwurfsendungen ungelesen in der Papiertonne landen.

Der Digital Index – Eine Studie der Initative der D21, durchgeführt von Kantar TNS hat im jährlichen Lagebild zur Digitalen Gesellschaft 2017/2018 ermittelt, dass nur 78% der Brandenburger das Internet „zumindest ab und zu“ benutzt. (S. 56). Das heißt, selbst wenn alle digitalen Schöneicher sich auf Schöneiche Online oder Moz.de über das lokale Geschehen informieren, erreicht das fast ein Viertel der Einwohner nicht.

Das Problem, was hier zu sehen ist, bleibt die fehlende Erreichbarkeit einiger wichtiger demografischer Gruppen, die weder durch Online-Medien, noch durch Printmedien zu erreichen ist. Ob da ein neues Printmedium Abhilfe schafft, bleibt zu bezweifeln.

Eine gute Lösung wäre eine bessere Face-to-Face Kommunikation. Die Einwohnerversammlung Rückblick/Ausblick hat es geschafft viele Leute ins Rathaus zu locken, die sich sonst nicht umbedingt für lokales Geschehen interessieren. In direktem Dialog mit dem Bürgermeister und auch untereinander konnte über Probleme und Sorgen geredet werden.

Würden solche Dialog-Angebote öfter stattfinden und würden diese auch besser beworben werden (Plakatwerbung und Aushänge), dann könnten mehr Menschen erreicht werden.

Eine andere Frage ist auch, warum will man die Menschen erreichen? Der ehemalige Bürgermeister Heinrich Jüttner sah im Vorschlag der Linken sofort eine Gefährdung der Pressefreiheit und auch andere Ortspolitiker vermuteten, dass es den Linken nur um kostenlosen Platz für Wahlkampf gehen würde. Sollen die Leute wirklich nur über das lokale Geschehen informiert werden, dann ist der Bedarf durch das gemeindeeigene Info-Blatt RathausNachrichten gedeckt, welches vierteljährlich erscheint.

Es bleibt aber eine große Frage übrig: Ist eine „Grundversorgung“ mit Nachrichten nötig? Auf Bundesebene sollen ARD und ZDF durch verpflichtende Gebühren der möglichen Zuschauer diese Grundversorgung gewährleisten. Das Argument dazu ist, dass durch rein private Medien der Einfluss von privaten Interessen in den Medien zu groß würde und neutrale Berichterstattung gefährdet sei. Dennoch gibt es in Deutschland diese Grundversorgung nur in Funk und Fernsehen, aber es gibt keine staatlichen Printmedien und das hat gute Gründe.

Jetzt allerdings die Steuergelder der Gemeinde zu nehmen und damit ein Blatt zu finanzieren, in dem die Fraktionen der Gemeindevertretung sich austoben dürften, ist in meinen Augen der falsche Weg. Die gewählten Vertreterinnen und Vertreter erhalten immerhin ein Sitzungsgeld, was meiner Meinung nach auch dazu ausgegeben werden sollte, Pressearbeit zu leisten. In welchem Umfang das geschieht, sollten die Gemeindevertreter selbst entscheiden. Immerhin ist es doch in ihrem Interesse sich selbst zu bewerben und ihre Politik zu vermarkten, um sich vor dem Wähler zu rechtfertigen. Dies kann nicht durch ein gemeinsames Printmedium geschehen. Auf der anderen Seite scheint das Interesse der Schöneicher Bürger an ihrem kommunalen Parlament auch nur sehr punktuell zu sein. Laute Rufe nach besseren Informationen über Lokalpolitik gab es bisher eigentlich nicht.

Ganz anderes wäre die Idee eines neuen privaten Ortsblattes. Aber im Jahre 2018, im Jahr des Diesel-Fahrverbots, ein neues Printmedium aus Papier auf die Beine zu stellen kann einfach keine gute Idee sein.

Fabian Zielke
Fabian Zielke ist stellvertretender Vorsitzender von Schöneiche Online e.V. Mitglied des Ortschronikfachbeirats.