Bereits 5 Tage hatten Kinder der Kitas und Schulen in und um Schöneiche bei Berlin Gelegenheit, die interaktive Wanderausstellung, ECHT STARK in den Räumen der Freiwilligen Feuerwehr von Schöneiche bei Berlin zu besuchen.

Am Montagabend (12.03.2018)  fand eine Elternversammlung der besonderen Art in der Brandenburgischen Str. 86 statt. Eltern zahlreicher Kita- und Schulkinder wurden 18.00 Uhr durch den Bürgermeister und Schirmherr Ralf Steinbrück und Frau Ute Paul, (Koordinatorin vom Strohhalm e.V., Veranstalter der Wanderausstellung) begrüßt. Frau Paul stellte die Ausstellung allen interessierten Eltern vor, beantwortete Fragen, vor allem aber verdeutlichte sie noch einmal den Eltern neben dem Sinn und Zweck auch die Notwendigkeit einer solchen Ausstellung und des Auseinandersetzens der Eltern, Erzieher und Kindern mit dem Thema „Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen„. So zeigte sie auf, dass durch Prävention – das Hauptziel dieser interaktiven Wanderausstellung – einerseits Risiken für unsere Kinder verringert werden können, anderseits aber auch den Eltern das Verständnis und natürlich auch ein wenig mehr Sicherheit im Umgang mit diesem Tabu-Thema gegeben werden kann.

Frau Paul erläuterte viele Fakten – z.B. was überhaupt unter sexuellem Missbrauch verstanden wird, dass hierunter sexuelle Handlungen zu verstehen sind, die eine strafmündige Person (ab 14 Jahre, § 14 StGB) an einem Jugendlichen vornimmt bzw. an sich vornehmen lässt. Sexueller Missbrauch setzt auch nicht immer Körperkontakt voraus. An Schaubildern wird verdeutlicht, dass Täter(innen) ca. zur Hälfte aus dem Bekanntenkreis, 1/4 aus dem Verwandtenkreis und nur 1/4 gänzlich Fremde sind; 1/3 sind zwischen 14 und 21 Jahre alt, 85 % sind Täter und 15 % Täterinnen. Auch dass es nicht nur die Mädchen trifft, wurde den Besuchern durch Zahlen veranschaulicht (Mädchen: jedes 5 – 6; Jungen: jeder 8 – 10).

Auf eine vorsichtige Frage der Eltern, ob die Ausstellung die Kinder denn traumatisieren könnte, konnte Frau Paul beruhigen. Die Erfahrung zeige dies nicht und die Besucher konnten sich im Anschluss die Ausstellung selbst ansehen und sich davon überzeugen, dass die Ausstellung kindgerecht und auf die Altersgruppe 5 – 11 Jahre zugeschnitten ist.

Durch Prävention sexuellen Missbrauch verhindern? Natürlich haben die meisten Eltern ihren Kindern des Öfteren gesagt: „Geh nicht mit Fremden mit! Steige nicht bei Fremden ins Auto! Nehme nichts von Fremden an!“ Allein die Tatsache, dass nur 1/4 der Täter(innen) Fremde sind, zeigt, dass solche „Warnungen“ als Prävention wohl nicht ausreichen können. Die Ausstellung soll vielmehr Kinder wie auch Eltern und Pädagogen vor allem für den eigenen Körper, das Körper- und Bauchgefühl, Selbstbestimmtheit und Selbstvertrauen sensibilisieren. Kinder sollen mehr auf ihr Bauchgefühl hören (dürfen), darauf, welche Berührungen sie gut finden und welche nicht und dass sie dies auch selbstbestimmt äußern dürfen und sollen. Auch hier ist evtl.  ein Umdenken bei den Eltern gefragt –  soll mein Kind lieber die Umarmung der Tante „erdulden“, weil es sich gehört oder soll mein Kind lernen, in sich hinein zu hören, ob diese Umarmung ihm gerade unangenehm ist oder nicht und diese auch äußern dürfen. Und auch das Vertrauen zwischen Eltern und Kindern wird hier angesprochen, und Tipps wurden durch Frau Paul gegeben, wie das Vertrauen aufgebaut werden kann, damit Kindern auch „schlechte“ Geheimnisse verraten. Eine „Balance zwischen Vertrauen und Kontrolle“ finden, war ein weiteres Ergebnis des Elternabends.

Interaktiv – was heißt das eigentlich? Die Ausstellung ist eine „Anfass- und Mach mit“-Ausstellung. So sollen Kinder und Jugendliche wie auch natürlich die Erwachsenen nicht nur die 6 Aufsteller anschauen und lesen, sie sind auch aufgefordert, sich auf den „Thron“ zu setzen (der dann Beifall gibt) oder den Kopf in ein Loch im Aufsteller zu stecken und so laut es geht zu rufen – dieser misst dann die Lautstärke. Eine tolle „Schatzkiste“ (die in jedem Kinderzimmer stehen sollte), befand sich auch unter den Ausstellungsstücken. Hier sollen die Besucher in die Kiste reinschauen und erkennen, was (sinnbildlich) der Wertvollste Schatz auf der Welt ist – das wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten: die Ausstellung läuft noch bis zum 24.03.2018 und jeder darf selbst auf Schatzsuche gehen. Für Familien oder auch für Eltern, die sich allein die Ausstellung anschauen und Fragen stellen wollen (Pädagogin Zoya Fiedler ist zu den Öffnungszeiten als Ansprechpartnerin vor Ort), ist die Ausstellung am Mittwoch zwischen 15.00 Uhr und 18.00 Uhr sowie samstags zwischen 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr geöffnet.

Die ersten Erfahrungsberichte zeigten, dass auch die „Jüngsten“, die Vorschulkinder, die Ausstellung spannend fanden und super annahmen. Die Ausstellung gibt auch viel Potential, sich mit diesem Thema in der Kita und zu Hause näher zu beschäftigen.

An dieser Stelle ein Herzliches Dankeschön an das Netzwerk Kinderschutz, auf dessen Initiative die Wanderausstellung nach Schöneiche geholt werden konnte, sowie an alle anderen Beteiligten, die dazu beitragen, unsere Kinder wieder ein kleines Stückchen mehr zu schützen und ECHT STARK machen – durch Aufklärung und Prävention.

https://www.strohhalm-ev.de/echt-stark–interaktive-wanderausstellung

https://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1644869/

 

Melanie Bunda
Melanie Bunda schreibt für die Redaktion von Schöneiche Online. Seit 2009 übt sie ihre selbständige Tätigkeit als Sozia einer Dresdener Rechtsanwaltskanzlei und als Dozentin aus und engagiert sich sozial u.a. im Schöneicher Bündnis für Demokratie und Toleranz.