(Nachruf/Siegfried von Rabenau) Manfred Stolpe ist tot! Ein großer Preuße mit besten Traditionen und Pflichtbewußtsein!

Die evangelische Kirche „in der DDR“ verdankt ihm viel als Mittler in beiden Deutschen Staaten.
Das Land Brandenburg verdankt ihm Selbstbewußtsein und Entwicklung. Für die Bundesrepublik ließ er sich in die Pflicht nehmen als andere kniffen!

Die letzten Wochen ging es ihm wirklich schlecht und zum Schluß hat er sich damit abgefunden. Sonst hätte er wie immer weiter gekämpft.

Ich kannte ihn seit 1969 und seitdem war es eine erst väterliche und später brüderliche Verbindung. Zu seinem 80. spaßte er noch zu mir: „Du bist an allem schuld!“ Nun, an ein paar kleinen Dingen vielleicht.
War ich gerne. In der Einleitung zu seinem Buch „Schwieriger Aufbruch“ schreibt er: „… erschienen bei mir… Siegfried v. Rabenau, um mir die Spitzenkandidatur für die Brandenburger SPD anzutragen. Die Gründungsväter und -mütter hatten etwas Mühe, sich auf einen Kandidaten aus ihren Reihen zu verständigen…“

Er war kein Diktator, was wir manchmal bedauerten, er war ein großer Mittler und Moderator – was wir auch manchmal bedauerten.

Er wäre ein guter Bundespräsident geworden mit diesen Eigenschaften, aber da lagen andere auf der Lauer und just in diesem Moment wurde gewühlt und aufgedeckt. Jemand sagte dann mal: „Man kann nicht jemanden in die Gosse schicken und dann, wenn er wieder herauskommt sagen – du stinkst.“ Es hat ihm viel Kraft gekostet diesen Gegenwind zu überstehen, den ein körperlich kleiner Journalist eines Hamburger Journals mit Schaum vor´m Mund in der Absicht einen Ministerpräsidenten „zu legen“ mit tatkräftiger Hilfe eines Rostocker Pfarrers, der es eigentlich besser wissen sollte, was der ehemalige Oberkirchenrat für Land und Leute getan hatte, stürmisch geblasen hat. Er hat eine Medaille angeboten bekommen, was jeder wußte, der Neues Deutschland lesen konnte – und er hat sie genommen mit der Aufforderung, das zukünftig keine Nationalpreise an Blockflöte spielende Moritze und Gespielen vergeben werden. Und es war mit dieser Praxis dann wirklich Schluss!

Lustigerweise konnten sich die beiden Führungskräfte der zuständigen Abteilung im Mielkeministerium im Untersuchungsausschuss des Brandenburger Landtages dann nicht mal mehr erinnern, wer von ihnen sie ihm wie gegeben hat und der Staatssekrtär für Kirchenfragen war da mit klaren Angaben auch überfordert! Alle wollten es aber gewesen sein!

Geduld war seine größte Stärke und die Momente, wo sie wirklich mal nachließ konnte man zählen. Ich glaub, zwei Hände reichen.

Er ließ sich, als er sich eigentlich nach seinem Rücktritt als Ministerpräsident anderen Dingen widmen wollte von Gerhard Schröder noch einmal als Bundesverkehrsminister in die Pflicht nehmen und musste die Watschen einstecken, die eigentlich ein ständig mit schwarzer Fliege herumlaufender Vorgänger ihm eingebrockt hatte und ein anderer Genosse kniff. Er hat es tapfer getragen und nie nachgetreten.

Er war ein Fan von Friedrich dem Großen und dessen Toleranzgebot. Viele Kleinigkeiten konnte er noch wichtig machen und im Sinne des großen Ganzen ohne Lärm darum verwirklichen.

An einen Besuch zu einem Heimatfest in Schöneiche im vorigen Jahrhundert kann ich mich noch gut erinnern. Auf der Bühne in der Dorfaue lief ein „Feldgottesdienst“ mit Regine Hildebrandt und ein übergewichtiger einheimischer HansDampfinallenGassen mit rotem Momperschal fing an, auf ihn zuzuwalzen. Schnell versuchte er sich hinter mir zu verstecken und richtete mir den Kragen. So konnte der Schal ein wenig gebremst werden…

In den letzten Jahren trafen wir uns meist auf runden Geburtstagen und auf Beerdigungen. Nun werden wir uns nur noch einmal treffen.

Ich werde ihn vermissen!

Hoffentlich bleiben die Giftspritzer im Angesicht des Todes zurückhaltend.

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Redaktion Schöneiche Online