(Satire/Kater)

Coronatestzentrum. Wobei ich mich jetzt nicht über das fleißige Personal in der zentralen Feuerwache äußere, sondern über das Rathauspersonal. Eigentlich auch das zunächst nicht, sondern den Sitzungsort für die Gemeindevertretersitzung am 22.4., in der Lehrer-Paul-Bester Halle. Jeder Vertreter hatte seinen eigenen abstandsgewahrten Tisch, sein Mikro. Besucher noch weiter weg. Abstandsgewahrt. Zentrales Mikro mit 4 Lautsprecherboxen, Die beiden Tonleute waren super! Endlich konnte man mal jeden Gemeindevertreter verstehen, akustisch. Und da fängt schon der inhaltliche Test an. Wie klug oder unklug der Einzelne sich z.B. zum Punkt Haushaltssperre in der Jetztzeit äußerte.

Die Kämmerin trug vor, wie sich die Steuerausfälle bei Einkommens-, Gewerbe-, Umsatzsteuer auf den Haushalt, mit Schuldendisziplin auf die regulären Finanzen auswirken werden. Schwieriges Vorhersagen und Begutachten. Wobei der Einzig Wahre sofort bestimmte, Sperre sei Quatsch, wir stehen nicht vor der Pleite und die Gemeindevertretung wird das kontrollieren. Entgegnung: Nee, den TÜV macht die Kämmerin. Also die Gemeindeverwaltung wird von der Gemeindeverwaltung kontrolliert.

Frage: Und wie wird das Land seinem finanziellen Anteil z.B. beim Straßenausbau gerecht? Hierauf der Bürgermeister: „Darauf gibt es einen Rechtsanspruch. Da muss das Land halt sehen, wie es das hinkriegt!“ Nach einer reichlichen Stunde war man dann soweit, die Haushaltssperre, also Einschränkungen zu akzeptieren.

Die nächste Stunde war deutscher, gesetzlich vorgeschriebener Gründlichkeit geschuldet. Die Einwohnerbeteiligungssatzung vom letzten Mal muss erstmal in die Hauptsatzung und dann neu beschlossen werden, so der Bürgermeister. Der Einzig Wahre nannte es Kasperletheater. Der Bürgermeister nannte es Reihenfolgeeinhaltung. Über diese Formalität stritt man sich nunmehr ausgiebig.

(Zwischenratespiel: Wird man die Tagesordnung von 33 Punkten schaffen?)

Dass die Stellplatzsatzung nach 12 Jahren aktualisiert werden soll, einschließlich der Fahrradstellplätze, da waren sich fast alle einig. Aber wiederum wie und welche Richtwertzahlen und Herstellungspflicht und Bagatellgrenzen rundlaufen sollen, insbesondere bei privaten Hausbaumaßnahmen, da war man sich uneins. Und ich habe das auch nicht richtig kapiert. Also bei Bedarf selber im Rathaus nachfragen!

Und dann ging es wieder in die Coronarelevanz, um die Übernahme von Kita-Beiträgen, Mietminderungen, Gefahrenzulagen – eingereicht von den Linken. Trotz Haushaltssperre. Wer soll was kriegen! Wer will was nehmen? Wer soll was prüfen? Was sind Not- und Härtefälle? Ja aber miau, der Bürgermeister hat das doch schon längst erklärt und bestätigt, das sich das Rathaus dessen bereits annimmt?! Schließlich der Beschluss: Die Gemeinde springt finanziell nicht ein, wenn es andere Möglichkeiten gibt. Dann die Corona-Gefahrenzulage. Wenn Ja für wen und wie? Kita-Erzieher ja, Ordnungsamt überhaupt nicht, so wiederum der einzig Wahre: Denn die Senioren werden lt. Schreiben vom Bürgermeister zu Hause interniert, Stasimethoden!! Das Neue Forum verwahrte sich, dieser „Freie Wähler“ sei eine (sprachliche) Zumutung! Zustimmender Beifall. Miau, schließe mich an! Also welche Gruppen und wie?! Schließlich wurde der Tagesordnungspunkt als solcher abgelehnt.

Und dann war selbst die Sitzungsverlängerung schon abgelaufen. Die restlichen 16 TOP am 29.4., bevor es zwei Wochen später planmäßig weitergeht, allerdings ohne vorherige Ausschusssitzungen.
Also schön Abstand halten und nicht nur zwei Katzenlängen!! Ihre etwas verwirrte

Miau-Journaille

Quelle: SchöKo 5/20

 

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Redaktion Schöneiche Online