Ingeborg Hunzinger – Schöneicher werden sagen oder denken, der Name  ist mir irgendwie schon untergekommen. Ja, es gibt eine Ingeborg-Hunzinger-Straße. Die führt vom S-Bahnhof Rahnsdorf nach Rahnsdorf, also bis zum Bioladen Waldschänke. Ingeborg Hunzinger ist aber auch im Kleinen-Spreewald-Park zu finden. Genauer gesagt, „Die Unvollendete“ ist beim Spaziergang im Spreewaldpark zu entdecken oder bei einem der Treffen „Picknick im Park“…
Im aktuellen „Rahnsdorfer Echo“ steht ein würdigender und interessanter Artikel über das Leben und Schaffen der Bildhauerin:

Älteres Paar, 1996, Berlin-Rahnsdorf (Foto: OTFW Berlin, Lizenz: CC 3.0)

 

Ingeborg Hunzinger – „Die Unvollendete“. Statue im Kleinen Spreewaldpark Schöneiche. (Foto: Marcus Cyron, Lizenz: CC 4.0)

(Artikel/Rahnsdorfer Echo – Ina Meißner)

„Liebe in Stein – Älteres Paar“

Liebe Leser, Frühlingszeit, die schönste Zeit des Jahres, aber immer noch ist alles anders. Man möchte jeden in der Familie, Freunde und Nachbarn fragen: “Bist Du gesund, ist alles in Ordnung bei Euch, braucht Ihr Hilfe?“ Das tut gut, und es gibt so viele Geschichten von Bürgern aus Rahnsdorf, die sich gegenseitig unterstützen. Dafür möchte der Verein Bürger für Rahnsdorf Ihnen ein großes Dankeschön sagen.

Da wir Sie nicht besuchen dürfen, nehmen Sie doch die neue Bepflanzung unseres Hochbeetes als Blumengruß nur für Sie.

Gegenüber auf dem Rasenplatz finden Sie das „Ältere Paar“, 1996 entstanden, eine Steinbildhauerarbeit von Ingeborg Hunzinger, Schenkung der international anerkannten Künstlerin an ihre Rahnsdorfer Heimat, in der sie seit 1954 lebte und arbeitete. 1915 als Tochter einer Jüdin geboren, war ihr kein einfacher Lebensweg vorgezeichnet. Als Enkelin des Malers Philipp Franck hatte sie von Kindheit an Berührung zur Kunstszene. Mit ihrem starken Willen setzte sie durch, dass sie 1935 ein Studium an der Hochschule für freie und angewandte Kunst in Berlin Charlottenburg aufnehmen konnte.

Die Lehre als Steinbildhauerin folgte. 1939 erhielt sie das Arbeitsverbot der Reichskulturkammer und musste nach Italien emigrieren. Sie überlebte die Nazizeit in einem kleinen Ort im Schwarzwald. Hier gründete sie 1942 eine KPD Gruppe.

Ihre große Liebe, der Maler Helmut Ruhmer, mit dem sie zwei Kinder hat, fiel noch in den letzten Kriegstagen. In der schweren Zeit verdiente sie ihren Unterhalt mit Töpferarbeiten. 1949 kehrte sie mit ihrem zweiten Mann, einem Spanienkämpfer und glühenden Kommunisten, bewusst in den Osten der Stadt zurück. An der Kunsthochschule, Berlin Weißensee, wurde sie Meisterschülerin bei Gustav Seitz und Fritz Cremer und bekam hier eine Dozentur. Sie bezog ihr Atelier in Rahnsdorf und heiratete in zweiter Ehe den Bildhauer Robert Riehl. In der Folgezeit erhielt sie immer wieder staatliche Aufträge, weil sie aus Prinzip Kunst für alle Menschen schaffen wollte, gerade für die Werktätigen in Betrieben und für die neuen Wohngebiete, die gebaut wurden.

In Rahnsdorf entstanden viele ihrer heute berühmten Kunstwerke, die Sie sowohl im Ausland, als auch in unserer näheren Umgebung finden. Am bekanntesten ist wohl das Mahnmal: “Protest der Frauen“, in der Rosenstraße. Eine 2,30 m hohe Steinbildhauerarbeit aus Rochlitzer Porphyr. Damit setzte die Hunzinger den Frauen ein Denkmal, die 1943 ihre jüdischen Männer und Söhne vor der Zwangsdeportation retteten. Eindrucksvoll und berührend, was die zierliche Künstlerin mit ihrer Kreativität geschaffen hat. Aber bleiben wir in Rahnsdorf. Im Kiezklub gibt es eine Bronzemaske, einen Abguss, Detail dieses Mahnmals. Vor dem Wohnhaus neben dem Rahnsdorfer Gartencenter befindet sich die Plastik: „Musik im Steinbruch“, und auf der Rasenfläche am Püttbergeweg das benannte Liebespaar.

Plastik und Bildhauerei unterscheiden sich dadurch, dass Plastik aufgebaut wird, der Bildhauer aber sieht seine Figuren im rohen Steinblock und befreit sie mit seiner Vorstellungs- und Körperkraft aus dem Stein. Berührung, die wir im Moment so vermissen, ist bei diesem Liebespaar mit dem zarten Spiel der Hände einmalig geglückt. Glauben Sie mir, es ist ein Erlebnis, die Hunzinger hat es uns geschenkt.

Um das im Wortsinn zu begreifen, muss man so ein Kunstwerk berühren, ertasten, die Kraft fühlen, mit der die Hunzinger den harten Stein bearbeitet hat. Der Verein Bürger für Rahnsdorf erlaubt Ihnen in diesem Fall natürlich ausnahmsweise, den Rasen zu betreten.

Die Hunzinger war kein einfacher Charakter, sie schätzte die aufrichtigen Menschen, die eine Überzeugung haben, die helfen und sich für andere einsetzen, so beschreibt es ihre Enkelin. Ihr Atelier war Treffpunt für hitzige politische Diskussionen u.a. mit Robert Havemann, Wolf Biermann und wohl einmalig auch mit Rudi Dutschke.

Vereinnahmen ließ sie sich nie, nahm den Vaterländischen Verdienstorden, auch den Nationalpreis der DDR nicht an. Aber sie trat voller Überzeugung nach der Wende der neuen Linken bei, wie sie mir bei einem Treffen in ihrem Atelier erzählte. Bis zu ihrem Tod, am 19. Juli 2009, arbeitete sie an einem Porträt von Rosa Luxemburg, das sie nicht mehr vollenden konnte.

Wenn Sie mehr über Ingeborg Hunzinger erfahren wollen, dann sei Ihnen das Buch von Christel Wollmann Fiedler empfohlen, das Sie vielleicht in unserer Buchhandlung bestellen können.

Bleiben Sie gesund und lassen Sie uns hoffen, dass Berührungen, wie bei unserem Liebespaar bald wieder zu unserem Alltag gehören. Das wünscht Ihnen der Verein Bürger für Rahnsdorf, herzlich Ihre

Ina Meißner

RSO on FacebookRSO on GoogleRSO on TwitterRSO on VimeoRSO on Youtube
RSO
Redaktion Schöneiche Online