Artikel aus www.moz.de Bernhard Schwiete 06.01.2011 08:48 Uhr

Schöneiche (moz) Obwohl die Gemeinde Schöneiche die Kulturgießerei auch 2011 wie bisher unterstützt, sieht sich die Einrichtung vor einer unklaren Zukunft. Nach Ansicht von Projektleiter Frank Williges droht dem Haus im schlimmsten Fall die Schließung.

Protest an der Häuserfront: Projektleiter Frank Williges vor der Kulturgießerei in Schöneiche. © MOZ

Von den Zahlen her liegt hinter der Schöneicher Kulturgießerei (Kugi) ein gutes Jahr. „Wir hatten fast 11 500 Besucher, also fast so viele, wie Schöneiche Einwohner hat, und wir haben eine schwarze Null geschrieben“, sagt Frank Williges. Anlass zur Freude sieht der Projektleiter der Einrichtung dieser Tage dennoch nicht. Sorgen bereitet ihm vor allem die unklare Zukunft der geförderten Arbeitsplätze in seinem Hause. „Wenn wir die nicht mehr haben, ist ein Betrieb nicht mehr oder nur noch mit erheblichen Abstrichen im Angebot möglich“, sagt er.

Vier zumindest anteilig geförderte Arbeitsstellen gibt es derzeit in der Einrichtung. Eine läuft, laut Williges, im Sommer, eine Ende 2011 aus, die anderen stehen unter Finanzierungsvorbehalt. „Diese Leute leisten Arbeiten, die wir mit unseren vier festen Stellen, davon nur eine mit voller Stundenzahl, nicht leisten könnten“, sagt der Projektleiter. Vor dem Aus stünden dann nicht nur die zahlreichen Konzerte und anderen Veranstaltungen, die im Saal der Kugi regelmäßig stattfinden, sondern auch die Angebote des in der Kugi ansässigen Mehrgenerationenhauses wie der PC-Grundkurs für Senioren oder der Keramikkurs für Kinder und Erwachsene.

Die Entscheidung über die Zukunft der Kugi fällt unterdessen nicht in Schöneiche. Dort hatte die Gemeindevertretung erst im Dezember mit knapper Mehrheit beschlossen, den jährlichen Zuschuss von 15 000 Euro für die Kugi trotz angespannter Haushaltslage nicht zu kürzen. „Das ist natürlich sehr schön. Aber noch mehr Bedeutung haben für uns Entscheidungen auf anderer Ebene“, sagt Williges angesichts eines Jahres-Umsatzes der Kugi von zuletzt 154 000 Euro. Entscheidend sei neben der Frage der geförderten Arbeitsplätze auch, wie hoch die projektbezogene Kulturförderung des Landes und des Landkreises ausfalle. „Das ist für uns ein großes Fragezeichen.“

Auf ihre Probleme aufmerksam macht die Kugi mit einem großen Kunstwerk an der Fassade des Hauses. Kerstin Baudis, künstlerische Leiterin der Kugi, hat es geschaffen. Es zeigt ein verfremdetes Baustellenschild vor orangenem Hintergrund, auf dem Schlagworte wie „Haushaltsloch“, „Verteilung“ und „Kulturetat“ stehen. „Ich finde, wir brauchen Kultur. Doch ohne Zuschüsse ist der Betrieb nicht nur bei uns, sondern auch in viel größeren Häusern nicht möglich“, sagt Williges.

In diesem Jahr bietet die Kugi unterdessen wieder ein umfangreiches Bühnen-Programm. Im ersten Halbjahr kommen unter anderem „Monokel“, Christiane Ufholz und die Theaterkapelle aus Berlin-Friedrichshain. „Wir wollen Kultur mit Anspruch bieten“, sagt Williges. „Aber Geld verdienen wir damit nicht.“ Was durch Eintrittsgelder hereinkomme, gehe durch Gema-Gebühren, Gebühren für die Künstlersozialkasse, Stromkosten und andere Kosten wieder weg.

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