(Satire/Kater)

Da saßen sie nun, unsere neue demokratische Auswahl entscheidungstragender Repräsentanten. Und das Volk war so geströmt, dass oben sogar der Tribünenbalkon im Sitzungssaal besetzt war. Ich dachte verzagt, wie soll das gehen mit 46 Tagesordnungspunkten? Ging natürlich nicht. Einwohnerfragestunde über eine Stunde. Seit Jahren wird öffentlich an der Weiterführenden Schule gebastelt. Dann wurde der Standort von den Gemeindevertretern eindeutig festgelegt und vom Landkreis abgesegnet. Und nun, miau? Wie sagte schon Churchill: Demokratie ist die Notwendigkeit, sich gelegentlich den Ansichten anderer Leute zu beugen. Die SPD-Vertreter kamen den nunmehr protestierenden Woltersdorfer-Wittstock-Straßen Bewohnern entgegen, sowie einer hartnäckigen Minderheit der Gemeindevertreter: Alles wird noch mal neu aufgerollt. Eh, Ihr steht auf der LOS-Liste bis 2022 auf Priorität 3! Das ist sowieso der schlechteste Platz. Ganz abgesehen davon, dass das Bauen anschließend 5-8 Jahre dauert. Ein Linker sagte, dass es sicher kein neues Ergebnis bringen wird, sondern den Planungsprozess insgesamt zurückwirft. Sagt mein Katzenhirn mir auch. Und miau, Eure Bürgerbeteiligung war gerade erst die Kommunalwahl. Wir haben eine repräsentative Demokratie! Und das ist sozusagen ein doppelter Churchill! Unterschriften sammeln schön und gut, aber eigentlich müssten das Eure gewählten Vertreter auch so vertreten! Ihnen das zu sagen, gibt es genug Möglichkeiten. U.a. auch hier im Blatt in den Stammtisch-Anzeigen der Parteien jeden Monat aktuell nachzulesen!

Ging in dem Sinne weiter: Bürgerbegehren „Gerechter Straßenausbau“. Ging voriges Jahr los. Ausführlich in mehrfacher Ausführung in der letzten SchöKo! Die Abrechnung des Begehrens ergab jetzt ein verpasstes Quorum, also die Zahl der beteiligten Unterschriften reichte nicht. Die Prozentzahl schon, aber die Gültigkeit nicht. Von mehrfach geleisteten Unterschriften bis „Fummelkram“. Verstehe nicht, dass man als Initiator, nicht drauf achtet, dass die Listen richtig ausgefüllt werden und nicht fummelig. Ihr Menschen seid schon seltsam! Und als Bürger noch seltsamer.

Die Zeit war um, am 30.9. gings weiter. Da wurden dann 8 Tagesordnungspunkte geschafft. Die immer noch restlichen – 10 – kommen zusätzlich in die nächste Sitzung im November!!

Hauptpunkte Bebauungsplan Berliner Straße Nord – sprich Sportplatzerweiterung – Abwägung. Das Bürgerpublikum war konzentriert und aufmerksam, im Gegensatz zu den Schulplatzleuten neulich. Streitpunkt die (zusätzliche) Wohnbebauung der Fläche. Einfamilienhäuser, Geschosswohnungsbau, Fördermöglichkeiten oder keine… Naja, wie schon letztens im Ortsentwicklungsausschuss kontrovers debattiert.
Und dann der Sandstraßenausbau nach Bernauer Modell, für die Anlieger kostenfreie „erweiterte Instandhaltung“. Der Bürgermeister hatte den Bürgermeister von Bernau konsultiert. Einer von den Schönen Männern den dortigen Tiefbau-Menschen. Heißer Streit mit gegenseitigen Unterstellungen innerhalb aller Anwesenden. Beschlossen wurde, das doch irgendwie zu versuchen, entweder es geht oder es geht nicht, entweder die Anlieger wollen es oder auch nicht, etliches ist sowieso schon Usus, und der BM soll mal sehen, dass der Gemeindehaushalt mit 20 % statt der vorgegebenen 10% belastet werden kann… 12 dafür, 10 dagegen. Die Dafürer waren jubelnd begeistert, einschließlich der bedauernswürdigen anliegenden Grundstücksbesitzer! Die Kämmerin nicht.

Der Bernauer BM hatte übrigens am 2.10. im RBB die Möglichkeit sich öffentlich beim Land über sein Minus im Stadthaushalt zu beschweren… Miau Mio, ich fass es nicht!!

Schade, habe keinen Platz mehr! Aber ein Zitat vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg sei noch gestattet: „Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht, an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.“

Ihre Miau-Journaille

Quelle: SchöKo 11/19

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Redaktion Schöneiche Online