(Artikel/P. Pohle) Die Mehrheit der Schöneicher Gemeindevertreter ist sich in diesem Punkt einig. Ja, diese Ausgabe ist zu tätigen! Immerhin landetete dieser Wunsch mit 390 Stimmen auf Platz 1 des Bürgerhaushalts.

Da die Kosten, die des Etats des Bürgerhaushaltes mit 300.000 € weit übersteigen, wurde diese Summe kurzerhand in den Haushalt der Gemeinde eingestellt. Am 26.03.2020 entscheidet die Gemeindevertretung über die Planung dieses Vorhabens. Die Mehrheit wird zustimmen. Ich nicht!

Wegen dieser 300.000 € für die Radwegbeleuchtung habe ich den Haushalt der Gemeinde aus ökonomischen und ökologischen Überlegungen abgelehnt.  Als Gemeindevertreter und Vorsitzender des Finanzausschusses ist es meine Pflicht, mit dafür zu sorgen, dass die Mittel der Gemeinde sinnvoll verwendet werden. Bei einer durchschnittlichen Auslastung von 3 Radfahrern je Stunde in der Dunkelheit, sehe ich hier keine sinnvolle Ausgabe. Zur Erinnerung, eine Beschlussvorlage zur Beleuchtung der Berliner Straße, wo abends viele Kinder vom Sportplatz fahren, hat die Gemeindevertretung abgelehnt.

Zu beachten ist auch, wir haben in Schöneiche den Klimanotstand ausgerufen. Vielleicht geht nach dem Lesen des folgenden Berichts doch noch bei einer Mehrheit der Gemeindevertreter ein Licht an.

In den letzten Jahren hat die Zahl von Schmetterlingen, Wildbienen oder andere Fluginsekten drastisch abgenommen.

Im Herbst 2017 sorgte diese Nachricht für weltweites Aufsehen: In den letzten 27 Jahren ist die Biomasse fliegender Insekten bei uns um mehr als 75 Prozent zurückgegangen. Forscher hatten für diese Studie Fluginsekten in Naturschutzgebieten innerhalb der deutschen Agrarlandschaft gefangen und ihre Menge bestimmt. Welche Ursachen jedoch konkret hinter der drastischen Abnahme dieser Insekten stehen, konnten die Forscher auf Basis ihrer Daten nicht feststellen. Sie vermuten jedoch, dass die Intensivierung der Landwirtschaft verbunden mit dem Einsatz von Pestiziden, zumindest Mitschuld am Insektenschwund hat.

Welche Auswirkungen hat das Licht, hat die Beleuchtung?

Eine weitere mögliche Ursache für das Insektensterben haben nun Maja Grubisic vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) und ihr Team untersucht. Sie wollten wissen, ob nicht auch die Lichtverschmutzung eine Rolle für die Bestandsabnahme bei den Insekten spielen könnte. „Die Hälfte aller Insektenarten ist nachtaktiv. Sie sind auf Dunkelheit und natürliches Licht von Mond und Sternen angewiesen, um sich zu orientieren und fortzubewegen oder Räubern auszuweichen. Und auch, um ihren allnächtlichen Aufgaben wie Nahrungssuche und Fortpflanzung nachzugehen“, sagt Grubisic. „Eine künstlich erhellte Nacht stört dieses natürliche Verhalten – mit negativen Auswirkungen auf die Überlebenschancen.“

Für ihre Übersichtsstudie werteten die Wissenschaftler die Ergebnisse aller aktuellen Untersuchungen zu den Auswirkungen von künstlichem Licht in der Nacht auf Insekten aus. Auch die Lichtverschmutzung in den 2017er-Untersuchungsgebieten haben die Forscher dafür ermittelt und verglichen. Die Übersichtsstudie zeigt, dass künstliches Licht in der Nacht weit verbreitet ist und komplexe Auswirkungen in landwirtschaftlichen Gebieten mit unbekannten Konsequenzen für die Biodiversität und Pflanzenproduktion haben kann: Gleich mehrfach negativ. Wie die Forscher erklären, werden Fluginsekten beispielsweise von künstlichen Lichtquellen angezogen und sterben dann dort durch Erschöpfung oder als leichte Beute von Räubern.

Das Licht lockt zudem Insekten aus anderen, dunkleren Ökosystemen weg und sorgt so für eine Verarmung der Insektenpopulationen. Auf Landwirtschaftsflächen – die immerhin elf Prozent der weltweiten Bodennutzung ausmachen – bedeuten weniger Insekten aber nicht nur eine geringere Artenvielfalt, sondern auch die Gefährdung wichtiger Ökosystemleistungen: weniger Nachtfalter, Käfer und Fliegen bestäuben zum Beispiel weniger Pflanzen. Hinzu kommt, dass Insekten durch Lichtschneisen in ihrer Ausbreitung gebremst werden können und damit der genetische Austausch zwischen Insektenpopulationen nachlässt. Das wiederum könnte ihre Widerstandsfähigkeit gegen Pestizide, Klimaveränderungen und andere negative Umwelteinflüsse reduzieren, so die Forscher.

„Daher sollte Lichtverschmutzung in zukünftigen Studien generell als potentieller Stressfaktor berücksichtigt werden, um letztlich Wege aufzeigen zu können, die helfen Umweltprobleme zu reduzieren“, resümiert Hölker.

Quelle: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB), Fachartikel: Annals of Applied Biology, doi: 10.1111/aab.12440

Peter A. Pohle
Peter A. Pohle ist Gemeindevertreter und Vorsitzender des Finanzausschuss der Gemeindevertretung Schöneiche bei Berlin. Er ist Vorsitzender des FDP-Regionalverbandes Müggelspree und Vorsitzender von Schöneiche-Online e.V sowie stellv. Vorsitzender des FDP Kreisverbandes LOS.