Wildschweinlobgesang

(Glosse/Wildschwein)  icke oller Keiler habe ein Seniorenticket für Berlin und Brandenburg.

Det is sehr anjenehm wenn man mit den Öffi´s mal schnell das Jagdgebiet wechseln möchte. Kostet in der Regel ganz schön, ich fahr es aber ab.
Jetzt lese ich in den Auszügen über mein Minuswachstum – es wurden nur 9 Euronen abgebucht! Oi, dachte ich, jetzt gilt es weiter, auch über die Grenzen der größten DDR aller Zeiten hinaus! Dem ist auch so.

Also begab ich mich auf den Weg in den wilden Westen. Mit vielen wechselnden Nahverkehren. Und Ergebnissen eines gewissen Rumpelstilzchens und Sparbahnimperators. Im Nahverkehr kann man im Gegensatz zu den Sausezügen noch lesen, wie die Stationen heißen wenn man da nicht mit 300 Sachen durchbrettert. Und man sieht bundesweit Bahnhofsgebäude, die schlimmer aussehen als nach dem Krieg. Und man lernt Sprüche kennen: „Reparatur am Zug, Reparatur am Gleis, Störungen an einer Weiche, Signalstörung, Verspätung aus vorausfahrender Fahrt, Überholung durch einen verspäteten ICE“ usw. Dem Einfallsreichtum sind da keine Grenzen gesetzt. Trotzdem kommt man immer auch irgendwo an, wenn auch nie zur vorgesehenen Zeit. Besonderes Lob an einen Lokführer für die Ansage: Jetzt könnt Ihr alle auf dem Bahnsteig eine rauchen, ich sag dann durch wenn´s weitergeht. Ging immer weiter, nur die Rückfahrt endete plötzlich am Alexanderplatz wegen Trunkenbolden im Gleis und Bullenauflauf. Nun, ein gewitztes Wildschwein kennt sich aus und weiß, wie man mit U-Bahn, Bus und Bimmel doch wieder in den heimischen Forst kommt.

Und es kommen Erinnerungen auf! Früher! Ach, als es noch keine Mauer gab, da wurde ich als Frischling mit Schild um den Hals in der Ost-Provinz in den Zug gesetzt und im Ruhrpott wieder rausgeholt. Oder liegemäßig von einem Kopfbahnhof (Leipzig, heute Kaufhalle mit Gleisanschluß) zum anderen im Süden wo es die Wies´n gibt. Dann wurde es schwieriger.

Einmal bin ich mit Zeitnot durch den Tränenpalast geeilt, hatte nur noch ein „Neues Deutschland“ am Kiosk gekriegt, das guckte aus meinem langen Mantel und die beiden Mütterchen, in deren Abteil ich Platzkarte hatte, schlossen von der Friedrichstraße bis Bebra die Mäulchen als sie das gesehen hatten. Als ich aber in Fulda immer noch da war tauten sie wieder auf. Schön war es in der „bunten Republik Deutschland“ damals in der Mitropa, dort bedienten Jugo´s (weil die nicht ausbüxen wollten) und man konnte mit dem blauen Paß der „größten…“ Radeberger für Ostmark trinken! Oder zwischen Helmstedt und Marienborn, wo dann zurück die „Taigatrommel“ angekuppelt wurde. Dann kamen heimatliche Gefühle auf, es machte tamtam… tamtam, die Schienenstöße. Die fand ich herrlich, man merkte im Schlaf, wie schnell der Zug ist. Und wenn sie aufhörten wegen Rotlicht auf freier Strecke und man raussah, wo die blauen Trapo´s aus den Büschen wuchsen und darauf achteten, dass die Türen geschlossen bleiben… und später auf dem Ostbahnhof die Ansage: pingpong, werte Reisende, es ist 20 Uhr. Pingpong, ein Hinweis für die Genossen der Transportpolizei: 20 Uhr ist, wenn der große Zeiger senkrecht nach oben zeigt und der kleine auf der Brezel steht und es draußen langsam dunkel wird!“…

Tja, das Langzeitgedächtnis ist noch gut! Und morgen, wenn ich das Aufstehen nicht vergesse zur ersten Bimmel geht es weit in den Süden. Nach Elmau gucken, ob alle Großkopferten wieder weg sind und nach über 60 Jahren mal wieder von der Zugspitze runtergucken!

Ein großes Lob dem 9 Euroticket!!!

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Redaktion Schöneiche Online

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