(PM/DIE LINKE) Im Zuge der teils drastischen Erhöhungen der Fahrpreise im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) zum 01.01.2020 will die Schöneicher-Rüdersdorfer Straßenbahn (SRS) GmbH die Preise für Fahrkarten des Haustarifs auf der Linie 88 anheben. „Das ist das falsche Signal zur falschen Zeit“, kritisierten die Vorsitzenden der Linksfraktionen in den Gemeindevertretungen von Rüdersdorf und Schöneiche, Detlef Adler und Fritz Viertel, „Die Fahrpreiserhöhungen bringen fast überhaupt keine zusätzlichen Einnahmen, belasten aber Menschen mit niedrigen Einkommen zusätzlich und sind alles andere als Werbung für einen Umstieg vom Auto in die Straßenbahn.“ 

Geringe Mehreinnahmen, aber hohe Belastung für niedrige Einkommen

Nach Angaben der SRS GmbH rechnet das Unternehmen mit lediglich 800 bis 2000 Euro Mehreinnahmen pro Jahr. Zum Vergleich: Allein die Gemeinde Schöneiche trägt jährlich rund 300.000 Euro zum Betrieb der Straßenbahn bei. „Für Fahrgäste, die jeden Euro umdrehen müssen und auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen sind, ist ein höherer Fahrpreis dagegen kein Pappenstiel“, so Adler. Er verweist darauf, dass im Hartz-IV-Regelsatz nur 32,90 Euro monatlich für Verkehr vorgesehen sind. Bei einer Hin- und Rückfahrt pro Tag (Montag bis Freitag) von Rüdersdorf nach Friedrichshagen würden mit der geplanten Preiserhöhung 80 Euro im Monat mit Einzelfahrscheinen bzw. 72 Euro im Monat mit 10er-Fahrkarten anfallen. „Wenn die Fahrpreise schon heute das Budget vieler Menschen sprengen, sind vier Euro mehr im Monat eben nicht egal.“

Fahrpreiserhöhung gegen deutliches Votum der Gemeindevertreter?

DIE LINKE beantragte deshalb in der Schöneicher Gemeindevertretung am 06.11.2019 und im Rüdersdorfer Hauptausschuss am 14.11.2019, die geplante Tarifanpassung der SRS GmbH abzulehnen. Rüdersdorfs Bürgermeisterin Sabine Löser und Schöneiches Bürgermeister Ralf Steinbrück sollten angewiesen werden, als Gesellschaftervertreter ihrer Gemeinden dem Wirtschaftsplan der SRS GmbH nicht zuzustimmen, sofern dieser auf Fahrpreiserhöhungen basiert. Dieser Vorstoß fand in beiden Gremien parteiübergreifend breite Zustimmung (Schöneiche: 12 Ja, 6 Nein, 3 Enthaltungen; Rüdersdorf: 7 Ja, 1 Nein, 2 Enthaltungen).

Am 28.11.2019 tagt die Gesellschafterversammlung der SRS GmbH. Die Gemeinden Rüdersdorf und Schöneiche vertreten dort zusammen 30 Prozent der Gesellschaftsanteile. Die Mehrheit hält die Niederbarnimer Eisenbahn AG. Die Frage ist also, ob die SRS GmbH gegen das deutliche Votum der Gemeinden an höheren Ticketpreisen festhält. „Wir erwarten, dass die Fahrpreiserhöhung abgesagt wird!“, erklärt Fritz Viertel, „In beiden Gemeinden wurde signalisiert, nötigenfalls die Hälfte der eingeplanten 800 bis 2000 Euro zusätzlich zu übernehmen.“

Fahrscheinloser Nahverkehr als Baustein der Verkehrswende

Um tatsächlich etwas für sozial und ökologisch nachhaltigere Mobilität zu tun, schlagen Detlef Adler und Fritz Viertel einen fahrscheinlosen Straßenbahnverkehr nach dem „Templiner Modell“ vor. Dort kann der Stadtbusverkehr mit der „Jahreskurkarte“ für nur 44 Euro 12 Monate fahrscheinfrei genutzt werden. „Damit könnten Pendler mehr als 200 Euro im Jahr sparen!“, erklären die Linksfraktionschefs. Wie in Templin könnten mit der Karte außerdem Rabatte in kulturellen Einrichtungen wie den Gemeindebibliotheken, dem Museumspark oder der Kulturgießerei verbunden werden.

DIE LINKE
Rund 60 Mitglieder und parteilose Unterstützer*innen sind DIE LINKE in Schöneiche bei Berlin. Bei der Kommunalwahl im Mai 2019 erhielt unsere Partei mit 17,5 Prozent die zweitmeisten Stimmen. Die Linksfraktion in der Gemeindevertretung hat vier Mitglieder und benennt 10 sachkundige Einwohner*innen.